Bewerber sollten ihre persönliche Berufung (er)kennen, um sich erfolgreich zu bewerben

2. Februar 2010 von Annabelle Meinhold
Erfogreich bewerben - Interview mit M. Diehl

Erfogreich bewerben - Interview mit M. Diel

MMK Personalberatung im Gespräch mit Bewerbungs-Coach und Autorin Martina Diel

Den Traumarbeitgeber zu finden und sich als Bewerber von der Masse abzuheben, das wünscht sich jeder, der auf der Suche nach einer neuen beruflichen Tätigkeit ist. Auf den ersten Blick oft nicht so einfach. Mit ein bisschen Selbstreflektion, Selbstmarketing und Tipps von Bewerbungs-Coaches kann der Traum vom neuen Job durchaus gelingen – auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Eingestellt wird immer und mit der richtigen Einstellung zu den persönlichen Stärken und Schwächen ist man anderen Bewerbern bereits einen Schritt voraus.

MMK Personal: Frau Diel, Sie plädieren dafür, dass Bewerber ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und nutzen, um die persönliche Berufung zu erkennen und zu realisieren. Wie kann ich meine persönliche Berufung erkennen? Gibt es spezielle Persönlichkeitstests, die das ermitteln?

M. Diel: Oh ja, das Netz ist voll davon, natürlich von unterschiedlicher Qualität. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man davon erheblich profitieren. Auch nur einige der empfehlenswerten Links aufzuführen, würde den Rahmen  hier sprengen. Aber das Kapitel meines Buches, das sich mit dem besseren Kennenlernen der eigenen Stärken und Schwächen, der Vorlieben und Abneigungen befasst, steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

MMK Personal: Welche weiteren Herangehensweisen gibt es?

M. Diel: Oftmals lohnt es sich bereits, einmal die eigene Biografie durchzugehen und sich zu fragen: Was habe ich schon immer gerne getan? Wofür wurde ich gelobt, bewundert? Was haben alle diese Dinge gemeinsam? Wichtig ist es, nicht nur darüber nachzudenken, sondern schriftlich festzuhalten, was mir dazu eingefallen ist. Interessant kann es auch sein, die Meinung von Freunden, Familie oder Arbeitskollegen einzuholen und das Selbstbild mit dem Eindruck von außen zu vergleichen.

Oder überlegen Sie sich Folgendes: Wenn sie ein technisches Gerät wären und es eine Bedienungsanleitung für Sie gäbe, was müsste diese beinhalten? Was für besondere Funktionen haben Sie? Wo muss man aufpassen, was für Fehlermeldungen gibt es? Gibt es besondere Extras, die die Konkurrenz nicht hat?

MMK Personal: Eines Ihrer Kapitel dreht sich um Selbstmarketing. Können Sie in ein paar Sätzen zusammenfassen, worum es dabei geht? Was verstehen Sie unter Selbstmarketing?

M. Diel: Viele Arbeitnehmer sehen sich als Jäger – sie entdecken eine Stelle und versuchen, sie zu bekommen. Wer auf Selbstmarketing setzt, handelt eher wie ein Angler: Er wirft einen Köder in den Teich und schaut, wer anbeißt. Oder kurz: Die meisten Bewerber konzentrieren sich aufs Suchen, wenige aufs Gefunden werden.

Damit das funktioniert, muss der Köder verlockend sein und von den richtigen Fischen bemerkt werden. Genau das ist die eigentliche Arbeit: Ich muss mir überlegen, wer anbeißen soll, und ich muss herausfinden, welche Köder diesen Fischen schmecken.

Für das berufliche Parkett bedeutet das: Ich muss herausfinden, was mein besonderes Skill-Set ist: Ist mein Thema eher die Entwicklung von Konzepten für die betriebliche Altersversorgung bei internationalen Großunternehmen? Oder ist die Vermögenshaftpflicht für Steuerberater mein Spezialgebiet?

Die zweite zentrale Frage ist: Wo könnten Menschen, die ich ansprechen will, etwas von mir und meiner Arbeit erfahren? Das können Gruppen in Xing ebenso seine wie Fachkongresse, die ich mit einem Vortrag bereichere. Oder ein Artikel in einer Branchenzeitschrift ebenso wie ein Blog, indem ich regelmäßig über Wissenswertes rund um mein Spezialgebiet berichte.

MMK Personal: Die Bewerber sollen sozusagen mehr auf Social Media setzen. Was ist aber in Ihren Augen bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage in der Bewerbungsphase für den Bewerber das Wichtigste?

M. Diel: Ganz klar: Lassen Sie sich nicht entmutigen und von den widersprüchlichen Prognosen! Auch in der Krise gibt es Unternehmen, die einstellen und die nie damit aufgehört haben. Natürlich sollten Sie sich einen Wechsel jetzt gut überlegen und nur nach einer intensiven Prüfung des potentiellen neuen Arbeitgebers das Risiko einer Probezeit auf sich nehmen.

Sehen Sie eine mögliche Stagnation im Job – den Sie in anderen Zeiten längst für einen besseren aufgegeben hätten – auch als Chance, sich selbst klarzumachen, wo die Reise in den nächsten Jahren hingehen soll. Und was Sie für Ihre Ziele noch benötigen:

Vielleicht eine Weiterbildung, mehr Kontakte in einem bestimmten Bereich? Oder einfach mehr Work-Life-Balance, um wieder motivierter und effizienter zu arbeiten? Alles Dinge, die Sie bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber in Angriff nehmen könnten, um sich in der Zukunft als attraktiver Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren.

MMK Personal: Worauf müssen Bewerber bei ihrer Bewerbung achten?

M. Diel: Anders als andere Coaches glaube ich nicht, dass die verwendete Schriftart oder die Farbe der Bewerbungsmappe ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg sind. Das vielzitierte “Unterscheiden von der Masse” gelingt oft schon, wenn man nur ein paar wenige, aber essentielle Dinge berücksichtigt:

Die Bewerbung ist auf den Empfänger zugeschnitten, und zwar nicht nur das Anschreiben, sondern auch der Lebenslauf. Wenn Sie sich bei einem Anbieter bewerben, der auf Privatkunden spezialisiert ist, arbeiten Sie heraus, welche Erfahrungen Sie in diesem Bereich haben. Das Geschäft mit Firmenkunden können Sie dann im Lebenslauf knapper abhandeln.

Signalisieren Sie Ihrem Gesprächspartner schon im Anschreiben, dass Sie sein Geschäft kennen und genau wissen, was im angebotenen Job wichtig ist. Das schafft Vertrauen!

Wenn dann die Unterlagen noch wohlstrukturiert, aussagekräftig und fehlerfrei sind, sind Sie oft schon auf dem Stapel “interessant, einladen” gelandet.

MMK Personal: Was kann nun ein Bewerbungs-Coaching bringen?

M. Diel: Neben inhaltlichen Anregungen natürlich auch Feedback eines neutralen Dritten, kluge Fragen, die zum Nachdenken provozieren, Hilfe beim Strukturieren einer Vielzahl von Ideen und eines Wusts von Gedanken.

Die meisten Coaches bieten kostenlose Kennenlern-Gespräche an, in denen Bewerber Gelegenheit haben, ihre Situation zu schildern und genau solche Fragen anzubringen. Ein guter Dienstleister wird darauf Antworten haben, die auf ihre individuelle Situation eingehen.

MMK Personal: Wir bedanken uns ganz herzliche für das interessante und informative Gespräch.

Martina Diel ist nach einem geisteswissenschaftlichen Studium seit 1996 in der IT-Beratung u.a. als Projektmanager und Key Account Manager mit Verantwortung für das Recruiting von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeitern tätig.

Im Jahr 2006 gründete Martina Diel “Ziele – Wege – Perspektiven“, ein Unternehmen, das sich mit Beratung und Coaching von Einzelpersonen rund um Beruf und Bewerbung befasst.

Im Jahre 2008 erschien das “IT-Karrierehandbuch” mit vielen Tipps rund um Jobsuche und Berufserfolg für Menschen (nicht nur) in der IT-Branche. Aufgrund des großen Erfolgs folgte 2009 die 2. Auflage mit einem Zusatzkapitel zur Online-Reputation, also dem gelungenen Selbstmarketing im Internet.

Das Gespräch führte für die MMK Personalberatung Frau A. Meinhold, Eigentümerin  der Presseagentur Wörterladen.

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1 Kommentar zu „Bewerber sollten ihre persönliche Berufung (er)kennen, um sich erfolgreich zu bewerben“

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