Brauchen wir die Zusatzleistungen bei Kreditkarten wirklich?

21. September 2009 von Diedrich Klusmann

Der eigentliche Sinn einer Kreditkarte ist es unproblematisch überall und zu jederzeit bezahlen zu können.  Immer mehr Kreditkartenanbieter bieten aber in der Zwischenzeit Dienste an, die von den Kunden über die Karte gleich mit gebucht werden können. Dabei sind die meisten Zusatzoptionen unnötig oder an Bedingungen gekoppelt.

Zum Beispiel berichtet eine freundlich lächelnde Dame auf der Internetseite vom American Express von ihrem letzten Missgeschick: Auf dem Heimweg vom Shopping sind die neu erworbenen Gläser kaputt gegangen. Aber Glück im Unglück, denn sie besitzt eine „Gold Card“, und so sind die Gläser versichert. Was man nicht erfährt ist, dass die Versicherung den Schaden nur übernimmt, wenn die Gläser auch mit der entsprechenden Kreditkarte bezahlt worden sind.

Alle Kreditkartenanbieter bieten nicht nur die erwünschte Unabhängigkeit von Bargeld an, sondern bieten auch noch ein paar Versicherungsleistungen dazu – allerdings für eine zusätzliche Gebühr.

Viele Extras sind schlicht unnötig

Doch Verbraucherschützer stehen den Zusatzangeboten ausgesprochen skeptisch gegenüber: „Viele der angebotenen Extras sind nicht wirklich nötig”, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsreferentin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zudem lauern viele Fallstricke: Denn die Versicherungen springen im Schadensfall nur ein, wenn der Kunde die entsprechende Leistung mit der Kreditkarte bezahlt hat. Wurde beispielsweise die Mietwagengebühr in bar entrichtet, springt die Versicherung im Schadensfall nicht ein. Auch Gepäck- oder Reiserücktrittsversicherungen sind häufig hinfällig, wenn die Reise am Flugschalter oder im Reisebüro bar bezahlt wurde. „Wenn der Versicherungsschutz von einer Bedingung wie dem Einsatz der Karte abhängt, halte ich das für nicht akzeptabel”, sagt Versicherungsexpertin Weidenbach.

Viele Risiken sind bereits abgesichert

Oft ist der wohlklingende Versicherungsschutz per Kreditkarte noch aus einem anderen Grund unsinnig – viele Risiken haben die Kunden bereits auf anderem Weg abgesichert.

Besteht bereits eine private Haftpflichtversicherung, springt die Kartenversicherung nicht ein. Eine Zusatzversicherung für Mietwagen im Ausland ist unsinnig, wenn Reisende in ihrer Auto-Haftpflichtversicherung die so genannte Mallorca-Police mitgebucht haben.

Auch eine Gepäckversicherung macht meist keinen Sinn – viele Hausratpolicen sichern das Urlaubsgepäck zumindest gegen Einbruchdiebstahl mit ab. Zudem empfiehlt es sich, sehr genau in die Konditionen zu schauen – und die sind bei einem solchen Strauß von Versicherungen ausgesprochen lang. Doch auf einen Vergleich mit herkömmlichen Policen sollten Verbraucher nicht verzichten. Einzelpolicen sichern viele Risiken in den meisten Fällen besser ab.

Paketlösungen bieten nach Ansicht von Verbraucherschützern ohnehin oft nur einen unzureichenden Schutz. Es lohnt sich zudem, die Kartengebühr einfach mal aufzurechnen mit der Gebühr für wirklich notwendige Versicherungen. Als Kaufargument sollten die Zusatzoptionen der Kreditkarte deshalb keinesfalls gelten: „Kunden sollten lieber auf die Kosten für Transaktionen achten“, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und unterstreicht: „Zusatzleistungen sollten bei der Entscheidung für eine Kreditkarte nachrangig sein.“

Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Zusatzleistungen von Kreditkarten? Nutzen Sie derartige Angebote?

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