Der Handyklau geht um – was tun?

2. September 2009 von Diedrich Klusmann

Eine neue Generation von Handys erobert den Markt: Der Trend geht zu Smartphones, betonen Netzbetreiber wie T-Mobile oder Vodafone. Nutzer können damit jederzeit von unterwegs persönliche Daten abrufen, im Internet surfen oder die Mails checken. Viele dieser hochwertigen Mobiltelefone sind mit teuren technischen Finessen wie großen Touchscreens oder Digitalkameras ausgerüstet.
“Die Handys werden den Leuten an Bushaltestellen aus der Hand gerissen”, warnt Rüdiger Holecek, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Das Problem sei, dass Handys oft am Körper getragen werden. Aus dem Grund wenden Diebe anders als bei Autodiebstählen öfter Gewalt an.

Um Dieben nicht ein zu leichtes Spiel zu bieten und sich selbst besser zu schützen, lohnt es sich, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Einige Tipps.

Was ist als erstes zu tun, wenn das Handy geklaut wurde?

Hotlines für SIM-Sperre

T-Mobile: 0180/3 30 22 02 (aus dem Festnetz 9 Cent pro Minute)

O2: 0179/5 52 22 (nur kostenfrei für Vertragshandys)

E-Plus: 0177/10 00 (Preis pro Minute abhängig vom Tarif)

Vodafone: 0 800/1 72 12 12

Betroffene, die mit Netzanbietern Verträge abgeschlossen haben, sollten sofort über die Netzbetreiber-Hotline ihre SIM-Karte sperren lassen, damit der Dieb nicht auf ihre Kosten telefonieren kann. Andernfalls kann die Summe dem Geschädigten in Rechnung gestellt werden. Ganz wichtig ist deshalb auch, sich das Datum und die Uhrzeit zu merken, wann das Handy geklaut wurde. Danach sollte bei der Polizei Strafanzeige erstattet werden: Gerätetyp, Marke, eine Beschreibung und die IMEI-Nummer müssen angegeben werden.

Warum sind Zeugen wichtig?

Am besten sollte ein Zeuge den Diebstahl oder Raub bestätigen, um dem Netzbetreiber zu beweisen, dass das Handy nicht einfach verloren wurde, rät Bernd Ruschinzik von der Berliner Verbraucherzentrale. Achtung: Wer unachtsam ist – das Handy im Hotelzimmer statt im Safe einschließt oder im Restaurant liegen lässt – muss im Zweifelsfall selbst für den Schaden aufkommen.

Ist es sinnvoll, das Handy orten zu lassen?

In der Regel macht das wenig Sinn – es sei denn, man hat das Handy nur verlegt. Aber dann genügt es meist auch, einfach die eigene Mobilnummer anzuwählen. Im Internet sind Anbieter zu finden, die Handys orten können. Aus Datenschutzgründen müssen Betroffene aber bereits vor dem Diebstahl einwilligen, dass das Handy geortet werden darf. In Städten mit vielen Funkmasten oder auf dem Land mit großen Abständen zwischen den Empfangsstationen ist die Ortung aber schwierig. Nicht zu orten sind ausgeschaltete Geräte oder Mobiltelefone, deren SIM-Karte vertauscht wurde. Doch selbst wenn unter optimalen Bedingungen bekannt ist, wo sich das Handy bis auf 50 Meter genau befindet, ist damit nicht sicher, es tatsächlich auch wieder zurück zu bekommen.

Wie können sich Handybesitzer vorher schützen?

Grundsätzlich das Handy in der Öffentlichkeit nicht einfach herum liegen lassen. Tipps zum Schutz vor Taschendieben stehen im Internet (www.polizeiberatung.de). Ein Minimum an Sicherheit bietet die PIN-Nummer, die beim Einschalten des Gerätes eingetippt werden muss. Manche schalten sie aus Bequemlichkeit aus – dann haben Diebe ein leichtes Spiel. Überaus praktisch sind Sperrcodes, über die manche Geräte verfügen (siehe Bedienungsanleitung). Den Code muss man beispielsweise eingeben, wenn man die Tastensperre aufhebt oder das Handy fünf bis zehn Minuten nicht benutzt. Manche Smartphones lassen sich mit dem Code auch aus der Ferne sperren.

Wie kann man die Daten sichern?

Empfehlenswert ist, gespeicherte Telefonnummern oder Bilder auf einen PC zu überspielen – das ist bei einigen Handy möglich. Ist das Handy weg, sind immerhin noch diese Daten vorhanden. Bei einigen Smartphones lassen sich außerdem die Daten auf dem internen Speicher verschlüsseln, so dass Diebe nicht an sie herankommen. Außerdem gibt es beispielsweise den Anti-Theft-Schutz von Kaspersky. Wird das Smartphone geklaut, können Information über SMS gelöscht und das Gerät gesperrt werden. Auch das Programm Phone Guardian löst bei einem SIM-Wechsel oder durch eine bestimmte SMS eine Auto-Sperre aus.

Wie kommt man den Dieben auf die Schliche?

Der Hersteller Samsung bietet für einige Handys das uTrack-System an. Wird die SIM-Karte ausgetauscht, wird die neue Rufnummer an eine voreingestelllte Nummer gesendet.

Lohnt es sich, das Handy gegen Diebstahl zu versichern?

Grundsätzlich ist zunächst ein kritischer Blick in die Geschäftsbedingungen ratsam. Meist muss zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass das Handy gestohlen wurde. Einige Versicherungen schließen in so einem Falle eine hohe Selbstbeteiligung ein – die oft umso höher ausfällt, je teurer das Handys ist. Hinzu kommt noch der monatliche Versicherungsbeitrag, der während der Mindestlaufzeit anfällt. Es gilt gründlich abzuwägen, ob sich der Schutz tatsächlich rechnet. Wer sich nicht sicher ist, kann sich beispielsweise in der Verbraucherzentrale Hessen beraten lassen.

Ist es möglich, die IMEI-Nummer sperren zu lassen?

IMEI-Nummer

Anhand dieser individuellen Nummer kann jedes Handy identifiziert werden. Die IMEI-Nummer steht in der Regel in den Vertragsunterlagen, oft auch auf der Rückseite des Handys (meist unter dem Akku).

Die Nummer wird auch bei Eingabe der Tastenkombination *#06# auf dem Display angezeigt.

In Großbritannien und Australien wird das seit Jahren gemacht. In Deutschland bietet dies aber nur Vodafone für das eigene Netz an. Diebe können also mit der gesperrten IMEI-Nummer trotzdem in anderen Netzen telefonieren. Andere Netzanbieter hierzulande sind bislang nicht bereit, eine zentrale Datenbank für Deutschland aufzubauen. “Der Wert der abhanden gekommenen Geräte steht in keinem Verhältnis zu den Kosten der Einrichtung für diesen Schutz”, sagt T-Mobile-Sprecher Dirk Wende. “Netzbetreiber verdienen viel Geld mit den Geräteverträgen, sie sollten alles tun, um Nutzer vor Diebstahl zu schützen”, fordert Rüdiger Holecek, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Gesperrte IMEI-Nummern würden immerhin Gelegenheitsdiebe abschrecken. Professionelle Kriminelle aber können die IMEI-Nummer mit spezieller Software und einem Adapter, der für rund 1000 Euro zu haben ist, ändern und auf die Weise die Sperrung umgehen.

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1 Kommentar zu „Der Handyklau geht um – was tun?“

  1. Ich hätte noch eine Idee, wie man sein Handy gegen Diebstahl schützen kann. Es ist rein theoretisch auch möglich das Handy mit einer dünnen, aber stabilen Kette, zum Beispiel an der Hose oder an der Jacke zu befestigen. Das bietet einerseits den Schutz gegen das aus der Hand reißen, andererseits macht es auch schon optisch deutlich, dass sich ein Versuch des Entreißens des Handys gar nicht erst lohnt, weil es ja mit einer Kette befestigt ist.

    Es mag zwar etwas seltsam aussehen, aber ich glaube das es den Schutz ganz enorm erhöht.
    Wolf

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