Versicherungsberater als Leitbild für Honorarberater

13. August 2009 von Diedrich Klusmann

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat zu dem vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorgelegten Thesenpapier zur Qualität der Finanzberatung und Qualifikation der Finanzvermittler Stellung bezogen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) strebt erklärtermaßen an, ein Berufsbild des Honorarberaters/unabhängigen Finanzberaters schaffen und rechtlich auch verankern zu wollen.

Der GDV schlägt in seiner Stellungnahme vor, das bereits existierende Berufsbild des Versicherungsberaters als Vorbild für ein zu schaffendes Berufsbild Honorarberater zu verwenden. Kernpunkte seien hier die Sachkundeprüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), eine Berufshaftpflicht-Versicherung, Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse.

Der GDV warnt davor, den neuen Berufsstand Honorarberater einseitig zu fördern oder zu bevorzugen.

„Die deutsche Versicherungswirtschaft teilt insoweit die im Rahmen des Fachgesprächs vom BMELV geäußerte Auffassung, dass der Markt darüber entscheiden müsse, von wem ein Kunde in Sachen Versicherungen beziehungsweise Geldanlage beraten werde“, heißt es in der Stellungnahme.

Aigner hatte Ende Juli in dem Fachgespräch mit etwa 25 Verbänden das Thesenpapier zur Diskussion gestellt und bis Ende vergangener Woche schriftliche Stellungnahmen angefordert.

Aus dem Thesenpapier des BMELV, das sich im Wesentlichen an den Vorgaben des Versicherungsvertragsgesetzes und an dem Gesetz zur Neuregelung des Versicherungsvermittler-Rechts orientiere, sei ein Änderungsbedarf für den Versicherungsbereich nicht erkennbar, heißt es in der Stellungnahme.

Dies gelte etwa auch für die Qualifikations-Anforderungen für die rund 250.000 vertraglich gebundenen Vermittler. „Das jetzige System lässt keine Mängel erkennen“, so dass eine Übertragung der Sachkundeprüfung und Weiterbildungskontrolle an die IHKen auch nicht notwendig erscheine. Diese Aufgabe wäre von den IHKen auch kaum zu bewältigen.

„Die Anforderungen an eine angemessene Qualifikation müssen selbstverständlich auch für unabhängige Berater, wie zum Beispiel Mitarbeiter von Verbraucherzentralen, gelten“, fordert der GDV.

In einer gesonderten Stellungnahme des GDV zu dem vom Ministerium vorgeschlagenen „Produktinformationsblatt im Bereich Geldanlage“ wird ein Kostenausweis für Versicherungs- wie für Finanzprodukte nach einheitlichen Grundsätzen angeregt, wobei auch der gesamte graue Markt erfasst werden sollte.

„Vorzuziehen ist dabei die in dem Muster des BMELV vorgesehene prozentuale Angabe der Kosten und nicht die für den Versicherungssektor in der VVG-InfoV vorgesehene Angaben der Kosten in Euro“, heißt es in dem Papier.

Eine Angleichung der Anforderungen für alle Finanzprodukte sei wünschenswert, weil nur bei einheitlicher Gestaltung dem Kunden der gewünschte Vergleich unterschiedlicher Produkte ermöglicht werde, erklärte der GDV mit Blick auf den ungeliebten Euro-Ausweis, auf den Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) seinerzeit bestanden hatte.

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