Wer versichert gegen Katastrophen?

23. Juli 2009 von Diedrich Klusmann

Manager deutscher IT- und Medienunternehmen sind chronisch unterversichert, wenn es um ihre persönliche Haftung geht. Das glaubt der 66-jährige Chef des auf den Bermudas beheimateten Versicherungskonzerns Hiscox. Jetzt startet er in Deutschland eine Marketingoffensive für die Vermögensschaden-Haftpflichtdeckung in diesen Branchen. “Hier in Deutschland gibt es mehr als 3500 IT-Unternehmen”, sagte Hiscox in einem Interview. “Der Markt ist da. Jetzt geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass eine solche Haftpflichtdeckung nötig ist.”

Hiscox ist eigentlich spezialisiert auf Katastrophen, vor allem auf die Versicherung gegen Hurrikanschäden in den USA. “Wir mögen das Katastrophengeschäft”, sagte Hiscox. Hier sucht er Großrisiken und Rückversicherungsverträge, die sogenannten Big Tickets. “Wir haben Appetit auf Risiken, aber nicht mehr, als wir in Hinsicht auf unser Kapital riskieren können.”

Als Ausgleich für die schweren Sturmrisiken zeichnet Hiscox ein ganz anderes Geschäft. “Wir bieten Spezialdeckungen in Nischen, die in keinerlei Beziehung zu den Sturmrisiken stehen.” So streut der Versicherer das Risiko. Dazu gehören Managerhaftpflicht, Kunst- und Rennpferdeversicherungen für vermögende Privatkunden, Haftpflichtdeckungen für kleine und mittelgroße Firmen sowie Versicherungen gegen Hacker-Angriffe.

So wurde Hiscox auch zum weltweit größten Anbieter von Entführungs- und Lösegeldversicherungen, den “Kidnap and Ransom”-Deckungen (K&R). Sein Marktanteil liegt bei deutlich über 50 Prozent. “K&R ist sehr profitabel”, sagte Hiscox. Das Unternehmen deckt Firmen gegen die Entführung von Mitarbeitern ab. Die Risiken liegen vor allem in Südamerika, Afrika und dem Irak. Aber auch Reedereien versichern sich gegen Piratenüberfälle vor Somalia. “Wenn das Wetter schlecht ist, kaufen sie keine Versicherung für ihre Schiffe, weil die Piraten mit ihren kleinen Booten nicht an sie rankommen. Wenn das Wetter gut ist, kaufen sie”, sagte Hiscox.

Besonders freut es ihn, dass er fast alle Lösegeldsummen versichert, die auf Piratenschiffe abgeworfen werden – ob Hiscox der K&R-Versicherer ist oder nicht. “Wir versichern das mit speziellen Geldtransportdeckungen. Es ist schließlich höchst gefährlich, 3 oder 4 Mio. $ in bar in dieser Gegend herumzukutschieren.” Das Bargeld wird gegen Raub durch Dritte oder den Verlust versichert, wenn die Hubschrauberbesatzungen beim Abwurf nicht das Schiff treffen und das Geld im Meer verschwindet.

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